Bad Santa – das Jahr endet heiß – Teil 5

Soll ich? Oder nicht? – Camilla

Es ist zu einfach, Jo aus der Fassung zu bringen und ihn seine Deckung fallen zu lassen. Natürlich habe ich nicht vor mit dem Kleinen ins Bett zu gehen, aber irgendwie musste ich Jo ja davon ablenken noch einmal nachzufragen, warum ich keine Beziehung hatte, habe oder jemals will. Es geht ihn schlicht und ergreifend nichts an.

Zumal er auch nicht gerade der Typ für etwas Festes ist. Zwar habe ich ihn immer Mal wieder mit einer Frau gesehen, aber nie für lange. Warum sollte ich gerade für einen Mann wie ihn, der die Frauen in letzter Zeit schneller gewechselt hat als seine Zahnbürste, mein Leben ändern und eine sinnlose Affäre eingehen? Selbst wenn der Sex, der Beste gewesen ist, den ich je hatte. Das ändert gar nichts. Es hätte eine so gute Nacht werden können, wenn er nicht plötzlich sentimental geworden wäre.
Außerdem habe ich bis heute keinen Mann gebraucht, also wird sich das auch morgen nicht ändern. Sex für eine Nacht, okay, mehr aber auch nicht.
„Wenn du mich jetzt küsst, reißt er dir die Eier mit bloßen Händen ab“, raune ich dem jungen Typen zu, der sich direkt von mir entfernt, als hätte ich ihm eine gescheuert. Witzig, wie leicht Männer doch zu beeinflussen sind. Und da heißt es, wir Frauen wären wankelmütig.

„Ihr Taxi ist in fünf Minuten hier“, informiert mich der Butler, während ich mich geschmeidig zu Jo umdrehe, die Arme vor der Brust verschränke und ihn dabei beobachte, wie er langsam seine Mordfantasien über Bord wirft.
„Dachtest du wirklich, so bin ich drauf?“, rufe ich ihm quer durch die Eingangshalle zu, kann das Grinsen aber nicht mehr unterdrücken. Er sieht einfach zu sehr nach vernachlässigtem Hund aus. Was auch immer dieser Mann in mir auslöst, es ist ganz und gar nicht gut für mich und mein Leben. Denn selbst wenn ich ihn habe abblitzen lassen mit seiner Idee von einer heißen Affäre – allein der Gedanke, lässt mich seufzen – kann ich nicht aufhören darüber nachzudenken, was wäre wenn. Und genau diese Überlegung macht mir mehr Angst, als so manche Nacht mit meinem Vater damals allein in der Wohnung. Es waren die Schlimmsten meines jungen Lebens und doch wusste ich, dass ich sie überleben werde.
Wenn ich mir Jo so ansehe, diesen intensiven Blick aus den hellen, blauen Augen erwidere und mich an unseren Kuss erinnere, bin ich mir nicht mehr so sicher, ob mein Überleben gesichert ist. Gefühle sind nichts für mich, vor allem nicht, wenn sie so widersprüchlich und unkontrollierbar nicht, wie mein ständig stolpernder Herzschlag in seiner Nähe. Und das nicht erst seit heute. Bisher habe ich es nur viel besser verstecken können. In diesem Kleid, in diesen Mauern, nach diesem Sex, ist es mir unmöglich. Ganz egal, wie abweisend und distanziert ich mich gebe.

„Ihr Taxi“, reißt mich der Butler aus den Gedanken, nachdem es leise am Eingangstor geklopft hat.
„Vielen Dank und keine Angst, er wird dir nichts tun.“ Kokett zwinkere ich dem jungen Mann zu, der sicher heiße Träume nach dieser Nacht haben wird und wende mich dann der Tür zu.

„Dein Mantel“, überrascht mich Jo, auf den ich kurzzeitig nicht mehr geachtet habe. Wie schnell muss er gewesen sein, wenn er unsere Mäntel holen konnte?
„Ich danke dir. Gehen wir?“, frage ich ihn in versöhnlicherem Ton, da es nichts bringt, ihn an zu zicken. Schließlich verbindet uns das Geschäft. Und jetzt auch diese Nacht.
„Mit dem allergrößten Vergnügen.“ Wie schon, als wir angekommen sind, bietet er mir seinen Arm an, den ich zugern annehme und meine Hand darauflege. Es wirkt, als wäre nichts gewesen, als hätten wir keine dumme Diskussion gehabt. Es gefällt mir sogar, dass er mit mir geht, dass er mich führt und dass er eben keine sinnlose Szene macht, wie viele andere Männer vor ihm, die nicht verstanden haben, wie ich lebe.
„Wo ist die Limo hin?“, frage ich leise, nachdem er mir die Tür des Taxis offen gehalten hat und ich auf die Sitzbank gerutscht bin.

„Die ist für viel später erst wieder gebucht worden und derzeit woanders eingesetzt. Deswegen müssen wir ganz normal mit dem Taxi fahren. Ohne Luxus und ohne Privatsphäre.“ Seine Stimme ist anzuhören, dass ihm die Limo besser gefallen hätte. Oder wenn wir länger geblieben wären. Und obwohl dieser Abend anstrengender ist, als ich es je erwartet hätte. Aber nicht wegen dem Sex, sondern wegen dem Chaos in meinem Inneren. Ich habe immer gewusst, dass Jo mir gefährlich werden könnte. Allein, dass ich selbst auch noch gern geblieben wäre, statt auf meinem Standpunkt zu bestehen, ist ganz und gar nicht gut.

„Worüber denkst du nach?“, fragt er mich genau in dem Moment, in dem ich beschließe, zu Hause einfach das Auto zu verlassen und diesen Abend zu vergessen. Ich sollte Jo nur noch als Geschäftspartner ansehen und nicht als den heißen Typen, der so genau weiß, was ich brauche.
Aber seine Stimme hat eine eigenartige Wirkung auf mich, denn sie bringt mich dazu, mein Leben zu hinterfragen, obwohl er das gar nicht wissen will.
„Über dich. Mich. Diesen Abend. Mein Leben“, antworte ich aufrichtig, denn ich kann ihn nicht anlügen. Es würde eh nichts bringen. Jede Lüge würde mich und unser Geschäftsverhältnis belasten. Wir haben miteinander geschlafen – nicht wirklich das richtige Verhalten für zwei Personen, die einen gemeinsamen Laden führen und eine von beiden nichts Längerfristiges will. So, wie die andere.

„Oh, davon musst du mir erzählen“, bittet er sofort, das Lächeln höre ich deutlich heraus, obwohl ich Jo nicht ansehe. Ich vermeide es, beobachte die tiefschwarze Nacht außerhalb des Taxis, denn seine Augen sind ebenso gefährlich, wie dieser gesamte Mann. Sie lassen mich an Dinge glauben, die es nicht gibt. Nicht für mich.
„Ich denke nicht, dass das eine so gute Idee ist. Wir sollten einfach nach Hause fahren, schlafen und morgen so tun, als wäre nichts geschehen. Wir haben einen Laden zu führen, da sind Gefühle oder was auch immer, ungünstig.“
So schnell kann ich gar nicht schauen, wie er mir eine Hand in den Nacken gelegt und mich in seine Richtung gezogen hat. Die andere auf meine Hüfte, bugsiert er mich auf seinen Schoß und zwingt mich, ihm doch in diese unglaublich hellen Augen zu blicken. Mit sanfter Gewalt hält er mich auf sich fest, obwohl ich keine Ahnung habe, ob ich mich überhaupt dagegen wehren sollen. Es fühlt sich unglaublich an, ihm wieder so nah zu sein. Vor allem, wenn man bedenkt, worüber wir die letzte Stunde diskutiert haben. Jo scheint es egal zu sein, dass ich keine Affäre will. Sonst würde er mich nicht ständig berühren.
„Das kann und das werde ich nicht, Camilla. Vergiss es. Ich stehe auf dich, schon eine ganze Weile und werde dich so schnell nicht loslassen. Du kannst dich wehren, soviel zu willst – solange dein Körper so heftig auf mich reagiert, werde ich deine Hirngespinste einfach ignorieren.“

Wie auf Kommando beschleunigt sich meine Atmung, meine Haut prickelt, dort, wo er mich berührt und das Ziehen in meinem Unterleib bestätigt seine Worte nur noch. Verräter. Seine Hand gleitet auf meine Wange, sein Daumen streicht über meine Unterlippe und sofort bebt mein Körper. Ein Wimmern dringt aus meiner Kehle, als er die Fingerkuppe zwischen meine Lippen schiebt und von ganz allein, sauge ich daran. Mein Kopf ist wie leergefegt, die Bedenken weg und die Ängste sonst wo, aber nicht in meinem Bewusstsein. Die andere, schiebt Jo unter den Stoff der Korsage, liebkost meine Haut hauchzart, so dass ich mir gar nicht sicher bin, ob er mich berührt, oder ich es mir einbilde, weil ich es mir so sehr wünsche.
Jo ruft Dinge in mir hervor, die ich nicht kenne, die ich nie kennenlernen wollte, weil sie so vielen Menschen schon Leid und Schmerz zugefügt hat. Trotzdem sitze ich auf seinem Schoß, dränge mich ihm entgegen und sehne mich danach, dass er mich küsst. Verdammt, ich will, dass er mich wieder vögelt, meinen Körper in Flammen setzt und ich nie wieder darüber nachdenken muss, was das zu bedeuten hat. Allein, dass ich es jetzt schon tue, sollte mich davon abhalten es mir zu wünschen. Denn so fängt es doch an. Die Abhängigkeit von einem anderen Menschen, der sowieso nicht so lange bei mir bleiben wird, wie ich es gern hätte. Es wird wehtun, wenn er geht und ich bekomme die Bestätigung, dass Zuneigung, Gefühle und Anziehung die größten Lügen dieser Welt sind.
Und obwohl ich all das weiß, mir sogar mit Macht in Erinnerung rufe, kann ich mich Jo nicht entziehen. In seinen wunderschönen Augen liegt ein Versprechen, das ich glauben möchte. So sehr ich mich auch dagegen sträube.

„Sag mir, was du willst, Camilla.“
In meinem Kopf schwirren so viele Gedanken herum. Er soll mich küssen. Mich loslassen. Mich vögeln. Mich in Ruhe lassen. Sich fernhalten. Mich festhalten. Nie wieder weggehen.
Denn auch, wenn Jo und ich uns nie nähergekommen sind, habe ich mich bei ihm immer wohl gefühlt. Wir sind beide keine Kinder von Traurigkeit, doch er hat mir immer das Gefühl gegeben, dass ich ihm wichtig bin. Als Freundin, Geschäftspartnerin, Mensch.
„Ich habe keine Ahnung, was ich will“, gebe ich deswegen zu. Sein beschissener Blick bringt mich einfach dazu, die Wahrheit zu sagen und nicht irgendetwas erfinde, wie sonst immer.
„Dann zeige ich es dir“, raunt er verheißungsvoll, schiebt die Hand zurück in meinen Nacken und küsst mich. So, dass ich gewillt bin ihn in mein Bett zu lassen. Und nie wieder weg.

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