Bad Santa – das Jahr endet heiß – Teil 6

Überredungskünstler im Dienst – Jo

Ich kann ihre Gegenwehr spüren, doch ebenso, dass sie schwindet. Mit jeder Sekunde, die sie meinen Kuss erwidert, schmilzt sie in meinen Armen. Zu gern möchte ihr die Ängste, die in ihre toben, nehmen, doch ich habe keine Ahnung, was sie ausgelöst haben.
Jedes Mal, wenn ich davon angefangen habe zu sprechen, sie wiedersehen zu wollen – auf diese spezielle Art, hat sie zugemacht und ist vor mir geflüchtet. Dass sie mich jetzt küsst, beweist mir aber, dass sie wirklich keine Ahnung hat, was sie will.
„Jo“, wispert sie gegen meine Lippen, vergräbt die Hände in meinen Haaren und küsst mich von sich aus. Was braucht sie mehr als Hinweis, dass sie mich will? Dass sie das hier will?

„Frag mich und ich komme mit dir hoch“, sage ich genau in dem Moment, als der Wagen vor ihrer Haustür anhält. Mein Schwanz ist schon wieder steinhart, dass sie sich aufreizend auf meinem Schoß bewegt hat, sich an mir reibt und mich in den Wahnsinn treibt. Egal, was diese Frau anstellt, ich bin meinen Grenzen nach und gewillt, sie über die Schulter zu werfen, in ihre Wohnung zu tragen und ihr zu zeigen, was sie verpassen würde, wenn sie mich abweist.
„Ich kann nicht“, sagt sie zu meiner Überraschung. Vollkommen vor den Kopf gestoßen lehne ich mich zurück, reibe mir mit beiden Händen über das Gesicht und atme tief durch.
„Steigen Sie noch aus?“, drängt dann auch noch der Taxifahrer und meine Laune sinkt in ungeahnte Tiefen. Verdammte Scheiße, wie konnte dieser Abend sich so beschissen entwickeln?

Unbeholfen klettert Camilla von meinem Schoß, traut sich gar nicht mehr, in meine Augen zu sehen, als wir beide vor ihrer Haustür stehen.
„Eigentlich hatte ich das Gefühl, dass den Mist mit der Abweisung hinter dir gelassen hast“, fahre ich sie unvermittelt an, weil ich mich einfach nicht mehr zusammenreißen kann. Sie zerrt an meinen Nerven, und das nicht erst seit heute. Ich bin mit meiner Geduld am Ende, habe keine Ahnung, was ich noch tun soll. Und das ist für einen Mann wie mich, wirklich kein gutes Gefühl. Es ist etwas, das ich nie fühlen wollte.
„Spar dir deine Wut. Ich habe dir im Hotel schon gesagt, dass ich niemand für mehr als eine Nacht bin. Keine Ahnung, warum du dachtest, ich würde meine Meinung wegen einem Kuss ändern.“ Wieder diese Distanz und Abweisung, doch ihre Stimme zittert so sehr, dass sie sich selbst Lügen straft.

„Ich bin nicht wütend. Ich verstehe dich nur nicht. Etwas abzulehnen, ohne es zu kennen. Weil du es immer so machst? Herzlichen Glückwunsch. Kleine Information für dich, Camilla – ich bin nicht wie die anderen Nichtsnutze, die du rangelassen hast.“
Damit drehe ich mich auf dem Absatz herum und gehe. Etwas anderes kann ich nicht tun, da ich es nicht noch mehr versauen möchte. Denn auch, wenn ich es nicht verstehe – ich will ihr doch nichts tun – werde ich nicht aufgeben. Das kann Camilla vergessen.
Ich brauche zu Fuß eine Stunde, bis nach Hause, aber meine Laune hat sich wieder gehoben. Camilla kann mir erzählen, was sie möchte, ich werde sie schon noch davon überzeugen, dass es sich lohnt, Zeit mit mir zu verbringen. Ihre Abweisung kitzelt meinen Kampfgeist hervor. Nicht ohne Grund habe ich es geschafft, dass sie nach drei Jahren endlich mit mir gekommen ist. Camilla sollte mich besser kennen, als das ich mich abwimmeln lasse. Vor allem mit so fadenscheinigen Erklärungen, sie wäre keine Frau für etwas Längeres. Denn ich will wissen, warum. Ist sie verletzt worden? Betrogen? Hintergangen? Was ist Camilla passiert, dass sie etwas Gutes, wie das, was wir haben könnten, wegwirft? Wegen nichts und wieder nichts. Zumindest in meinen Augen.

***

Die Nacht ist kurz gewesen, aber das stört nicht wirklich. Obwohl wir Sonntag haben – den letzten vor Weihnachten – ist der Laden geöffnet. Das heißt, Camilla kann mir nicht aus dem Weg gehen und muss mit mir sprechen. In den letzten Stunden, die ich wach im Bett lag, habe ich mir einen Plan zurechtgelegt. Einen, den sie nicht ablehnen kann, weil sie selbst entscheiden muss. Und ich kenne sie. Sie liebt die Herausforderung. Genauso wie ich. Deswegen funktionieren wir gut zusammen. Nur muss sie sich daran wieder selbst erinnern.
„Guten Morgen“, begrüße ich sie überschwänglich, als ich den Laden betrete, strebe direkt auf Camilla hinter dem Verkaufstresen zu und ziehe sie in meine Arme. Natürlich versteift sie sich im ersten Augenblick, doch es dauert nur wenige Sekunden, bis sie die Gegenwehr aufgibt und die Umarmung erwidert. Denn auch, wenn wir gestern Nacht Sex hatten – unglaublichen Sex in meinen Augen – sind wir vor allem auch Freunde und Partner.
„Guten Morgen“, erwidert sie meine Begrüßung zaghaft, und löst sich dann von mir. Ihr sinnlicher Duft steigt mir in die Nase und ich will sie nicht loslassen. Am liebsten würde ich sie direkt hier auf dem Tresen verführen und so überzeugen, wie gut das zwischen uns sein könnte.

„Konntest du schlafen?“, frage ich sie besorgt, denn unter ihren Augen zeigen sich dunkle Ringe. Ihre Haare sind noch immer gelockt von gestern Abend, sind aber jetzt zu einem hohen Zopf gebunden.
„Nicht wirklich. Unsere Auseinandersetzung ging mir nicht aus dem Kopf. Ich wollte mich entschuldigen, dass ich so überreagiert habe. Aber jedes Mal, wenn ein Mann mehr von mir will, als ich geben kann, blockiert etwas in mir“, gesteht sie mir ohne Umschweife und lächelt vorsichtig. Selten habe ich Camilla schöner gesehen. Vielleicht sollte ich mir endlich eingestehen, dass ich mehr für diese Frau empfinde, als die sexuelle Anziehung, die ich vorgeschoben habe.

„Dafür musst du dich nicht entschuldigen. Ich hätte dich nicht bedrängen sollen. Es war eine dumme Idee, dich zu diesem Abend zu überreden. Ich hoffe sehr, dass es nicht zwischen uns stehen wird in Zukunft.“ Tief sehe ich ihr in die grünen Augen, die soviel mehr verraten, als die Worte, die sie ausspricht. Verzweiflung, Hoffnung, Verlangen, Angst. All diese Empfindungen toben in ihr und ich verspüre das dringende Verlangen, sie erneut in die Arme zu nehmen und all die negativen Erinnerungen verschwinden zu lassen.

„Also bleibt es bei dieser einen Nacht?“, fragt sie mich, nachdem ich mich abgewendet und der Liste mit den heutigen Lieferungen widme. Unser Laden ist anders als andere Sexshops. Es gibt keine ausgestellten Gummipuppen oder Dildos in sämtlichen Größen. Viel eher können sich unsere Kunden hier in ansprechender Umgebung hochwertige Spielzeuge, Bücher und Anregungen entdecken. Für jeden Kundentyp haben wir die entsprechenden Kataloge und Vorführungsmodelle hier.
„Das war doch dein Wunsch, oder nicht?“ Über die Schulter hinweg blicke ich Camilla an, die eindeutig ungläubig aussieht.
„Und das war’s? Keine Anstrengungen? Keine Überredungsversuche? Wer bist du? Und was hast du mit dem Jo gemacht, den ich kenne?“, beschwer sie sich direkt und ich unterdrücke das dreckige Grinsen, das sich auf meinen Lippen bilden will.
„Ich dachte, du willst mich sowieso nicht? Das wäre dann ja das zweite Mal und damit länger als das, was du tust?“, halte ich dagegen, lehne mich mit der Hüfte gegen die Theke und mustere sie eingehend. Sie windet sich unter meinem Blick, das ist unübersehbar, aber sie kann es sich nicht eingestehen. Allein das ist es wert, dass ich zugebe, mehr zu wollen als Sex. Bisher hatte ich dieses Gefühl erst ein einziges Mal. Seitdem habe auch ich mir Zuneigung und zu lange Beziehungen verboten. Aber nur, weil ich wusste, dass es jemanden gibt, der mich reizen wird.

Camilla schnaubt unwillig und verschränkt die Arme vor den Brüsten, was sie verdammt gut in Szene setzt. Ich kann meinen Blick nicht von ihrem Ausschnitt abwenden, was mir ein neuerliches Schnauben einbringt plus ein Augenrollen, als ich ihren Blick erwidere.
„Hab ich was Falsches gesagt? Oder irgendetwas gestern falsch verstanden? Berichtige mich dann bitte.“ Den amüsierten Ausdruck kann ich mir nicht verkneifen, als ihre Augen zu Schlitzen werden und ich nur daran denken kann, wie fantastisch sich ihre Brüste anfühlen müssen in meinen Händen. Sicher ist Camilla sehr empfindlich an den Brustwarzen, sie würde sich mir entgegendrängen und danach betteln, dass ich an ihnen knabbere. Ich kann spüren, wie mein Schwanz auf die Vorstellung reagiert und überkreuze die Beine, damit Camilla es nicht gleich bemerkt. Ein Hoch auf immer dunkle Hosen.
„Nein, hast du nicht“, muss sie einräumen, sieht aber nicht zufrieden aus.
„Was ist es dann?“, bohre ich nach, nähere mich ihr ein wenig und sehe das Zittern ihrer Hände, die sie aber unter den Achseln versucht, zu verstecken.
„Wenn ich das wüsste, würde ich es dir sagen. Verdammt, Jo, du bringst alles durcheinander“, fährt sie mich an, als ich direkt vor ihr stehe. Sie kann nirgendwohin, denn in ihrem Rücken befindet sich eine Ablagefläche.
„Und das ist etwas Schlechtes, weil?“ Es macht Spaß, ihr dabei zuzusehen, wie sie nach Worten sucht, aber nichts findet, was dagegen spricht.

„Ich kann damit nicht umgehen. In mir gehen Dinge vor, die ich nicht einordnen kann. Du machst mich nervös, du lässt mein Herz höher schlagen und mein Unterleib zieht, sobald ich dich sehe oder daran denke, wie gut es sich angefühlt hat, dich in mir zu spüren. Männer waren mir egal, ein Mittel zum Zweck, um meine Lust zu stillen. Aber du, du kennst mich so gut und das gepaart mit dieser ständigen Lust, macht es mir unmöglich, an dem festzuhalten, was ich kenne.“
Atemlos starrt sie mich an, während mir das eigene Herz bis zum Hals schlägt.
„Okay, dann habe ich einen Vorschlag“, spreche ich es endlich aus, zufrieden, dass sie selbst zu diesem Schluss gekommen ist.

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