Bad Santa – das Jahr endet heiß – Teil 14

Ich bin gerade ein wenig aufgeregt…denn nach diesem Kapitel folgt nur noch eines und dann ist die Geschichte von Camilla & Jo beendet & erzählt…Herzklopfen inklusive, wenn ich daran denke, wie ihr bei den beiden mitgefiebert habt! Hoffentlich gefällt euch das Ende ❤

***

Nicht mit mir – Jo

Als Camilla vor meinen Augen zusammenbricht, wird mir klar, dass sie mich die ganze Woche angelogen hat. Seit ihre Mutter da gewesen ist, hat sie mir vorgemacht, dass es ihr nicht ausmacht. Dass es sie nicht anhebt, was diese Frau ihr gesagt hat. Dass sie keine Angst mehr vor ihrem Stiefvater hat, der ihr so schreckliche Dinge angetan hat.
Ihr Gesicht ist kalkweiß, als ich sie erreiche und sie zittert so heftig, dass ich ihre Hände kaum zu greifen bekomme.
„Camilla. Ganz ruhig. Dir kann hier nichts passieren“, will ich sie beruhigen, doch als ich eine Hand auf ihre Wange legen will, zuckt sie heftig zusammen. Es bricht mir das Herz, sie so zu sehen. Schon die ganze Zeit habe ich vermutet, dass sie sich etwas vormacht, aber das hilft und jetzt auch nicht weiter.
„Camilla. Ich bin da. Lass mich dir helfen“, bitte ich sie leise, schiebe einen Arm unter ihren Rücken, den anderen unter ihre Knie und hebe sie hoch. Es ist mir vollkommen egal, dass das total übertrieben und bescheuert für alle Umstehenden aussehen mag. Was für mich zählt, ist Camilla hier wegbringen. Ein Glück sind wir nur zwei Minuten von ihrer Wohnung entfernt, so dass wir es nicht weit haben. Ihren Schlüssel finde ich in einer der Manteltaschen. Noch immer sagt sie kein Wort, ist aber auch nicht noch einmal vor mir zurückgeschreckt, krallt sich jetzt an meinem Hals fest, als wäre es ihr einziger Halt. Mir soll es Recht sein. Ganz sicher, werde ich sie jetzt nicht alleine lassen.
„Camilla. Die Treppen musst du alleine gehen“, sage ich vorsichtig, lasse sie von meinen Armen rutschen, bis sie zitternd vor mir steht. Ihr Blick ist voller Panik, als ich sie loslassen will. Dieses Mal packt sie mich, dabei wollte ich einfach nur die Tür schließen.
„Alles gut. Hier kann dir niemand etwas tun. Ich gehe nirgendwohin und wir fahren morgen gemeinsam zu meiner Mum. Oder willst du heute noch weg?“ Mehrere Sekunden vergehen, in denen sie nachdenkt, tief durchatmet und sich langsam beruhigt. Der Abstand zu der Situation hilft ihr anscheinend.
„Morgen“, bringt sie hervor, nimmt meine Hand und zieht mich die Treppen zu ihrer Wohnung hoch. Sie ist so schnell, dass sie mehrfach stolpert, doch gemeinsam schaffen wir es nach oben. Da ich nur auf ihren Rücken geachtet habe, bemerke ich zu spät, wie sie plötzlich wirklich stehen bleibt und krache in Camilla hinein. Gerade will ich mich beschweren, sie auf andere Gedanken bringen, als mir ein unangenehmer Geruch in die Nase kriecht. Ist das ekelhaft. Stocksteif steht Camilla nun vor mir, bewegt sich keinen Millimeter mehr, so dass ich an ihr vorbei blicken muss, um den Eindringling zu erkennen. Er hat mich noch gar nicht bemerkt – oder ignoriert mich. Denn sein Blick ist einzig und allein auf Camilla gerichtet. Gierig, überheblich, höhnisch. Dinge, die er sich bei seinem Auftreten niemals herausnehmen dürfte. Ihre Reaktion zeigt mir, dass das Tim sein muss. Ihr Stiefvater. Alles in mir schreit danach, ihm direkt zu zeigen, dass er Camilla nichts mehr tun kann, selbst wenn sie gerade schockgefroren scheint.
„Ich dachte schon, mein Auftauchen hätte dich direkt dorthin gebracht, wo du hin gehörst, kleine Schlampe“, beginnt er zu sprechen und mir wird übel. Die Hände zu Fäusten geballt, will ich mich an Camilla vorbeischieben, doch ein Ruck geht durch ihren Körper und sie hält mich mit einer Hand und einem Blick über die Schultern ab.
Ihre Augen sagen mir, dass sie das schafft, dass sie mir dankbar ist, dass ich da bin, es aber ihr Kampf ist. Noch nie im Leben ist mir etwas so schwergefallen, wie sie jetzt gewähren zu lassen, aber die Tatsache, dass ich eingreifen kann, wenn er zu weit geht, hilft mir. Es ist nicht mein Kampf, nicht, solange Camilla ihn alleine bestreiten möchte. Das Einzige, was ich tun kann, ist mein Handy herauszuholen und eine Aufnahme zu starten. Camilla hat gesagt, bis auf die Bilder damals, fehlten ihr immer Nachweise, dass ihr Stiefvater ihr wirklich etwas angetan hat. Er kannte die Jungs bei der Polizei und die haben ihr nicht geglaubt. Jetzt hat sie mich und ich werde dafür sorgen.
„Was willst du hier, Tim?“, bricht Camilla das Schweigen und geht nicht mit einer Silbe auf das ein, was er gesagt hat. Ihre Stimme hat viel mehr Kraft, als ich ihr in dieser Situation zugetraut hätte und mir wird klar, was wirklich in ihr steckt. Mein Herz läuft vor Stolz, Respekt und Liebe für sie über.
„Das fragst du noch? Das Miststück von deiner Mutter hat mich doch bereits angekündigt, oder? Seit einer Woche ist sie verschwunden – wo sollte sie sonst gewesen sein, wenn nicht hier. Aber ich verspreche dir – sie ist gleich die Nächste. Nach dir.“ Camilla entweicht ein dunkles Lachen bei seinen Worten, dass mich lehrt, mich niemals mit ihr anzulegen.
„Die Nächste? Was hast du denn vor?“, fragt sie ihn ganz ruhig, lehnt sich neben die Wand neben uns. Ich folge ihr, stärke ihr den Rücken, auch wenn es mich noch immer ankotzt. Ich sollte derjenige sein, der sie beschützt.
„Du bist wirklich nicht schlauer geworden, in all den Jahren. Dumm wie immer und genauso naiv und begriffsstutzig. Du warst so blind in all den Jahren, hast dich bewegt, als könnte dir niemand etwas anhaben, als würdest du über allem stehen. Über mir stehen“, spukt er ihr entgegen, seine Stimme nimmt einen scharfen Unterton an. Doch sie zuckt nicht einmal zusammen, als er einen Schritt auf sie zumacht, sondern strafft die Schultern.
„Mir kann niemand etwas anhaben. Vor allem nicht du. Ich stehe über dir, seit ich begriffen habe, dass du krank bist und Hilfe brauchst. Ich dagegen habe alles, was ich brauche. Solange ich weit genug von dir entfernt bin. Tu uns beiden einen Gefallen und verschwinde. Es wird keine Polizei geben, keine Anzeige. Führ dieses erbärmliche Leben weiter, als wäre nichts passiert. Es ist an dir.“
Ein irres Lachen erfüllt das Treppenhaus, so kalt, dass es selbst mir eiskalt den Rücken hinab läuft.
„Denkst du wirklich, so leicht würdest du davon kommen? Wenn es nach mir ginge, würdest du schon seit zehn Jahren unter der Erde verwesen. Nur deiner dämlichen Mutter hast du es zu verdanken, dass ich meinen Plan nicht umsetzen konnte. Du kleine Schlampe hast dir erlaubt, dich von einem anderen Mann anfassen zu lassen – das gehört bestraft. Das weißt du.“
Wie krank muss dieser Typ sein, dass er wirklich denkt, er könnte Camilla etwas tun? Sieht er mich nicht? Ist er so in seiner ekelhaften Welt gefangen, dass ihn allein dieser Gedanke vorantreibt. Ich lege ihr eine Hand in den Rücken, versuche, ihr so zu vermitteln, hier zu sein. Ganz egal, was dieser Typ noch von sich gibt.
„Du hattest mir damals nichts zu sagen und auch heute nicht. Deine Drohungen sind so leer, wie dein gesamtes Leben. Wie erbärmlich muss es sein, wenn du es von mir bestimmen lässt?“, provoziert ihn Camilla. Ich bin nicht sicher, wie gut das ist, doch sein Schnauben verheißt nichts Gutes.
„Du bestimmst überhaupt nichts!“, brüllt er auf einmal, stürzt so unvermittelt auf Camilla zu, dass wir beide fast zu langsam reagieren. Nur wenige Millimeter haben gefehlt, als wir zur Seite weichen und Tim an uns vorbei stolpert. Die Treppen erschweren ihm das Anhalten, mehrfach glaube ich, er fällt gleich hin, doch trotz der Vermutung, dass er total betrunken ist, so wie er stinkt, fängt er sich erstaunlich gut an. Mit den Händen an der Wand, findet er sein Gleichgewicht wieder, wendet sich Camilla zu, die nun neben mir steht und funkelt sie hasserfüllt an.
„Dieses Mal wirst du mir nicht entkommen, Camillchen. Du gehörst ganz alleine mir, daran ändert auch dieser Gorilla nichts“, bezieht er mich das erste Mal mit ein, bedenkt mich mit einem Blick, der mich umbringen soll. Doch Camillas Stärke greift auf mich über, er kann uns überhaupt nichts.
„Ich gehöre dir ganz bestimmt nicht, denn ich gehöre niemanden. Das Einzige, was du wissen musst, ist, dass ich zu ihm gehöre. Zu Jo. Er allein ist in der Lage mich glücklich zu machen. Verschwinde alter Mann, bevor du dich lächerlich machst.“
Sie will ihn eindeutig reizen. Als ob sie ihm jetzt alles an den Kopf werfen möchte, was sie all die Jahre für sich behalten hat.
„Das hast du nicht gesagt!“, schreit er sie schriller an, als ich einem Mann mit seiner Stimme zugetraut hätte, stürmt wieder auf sie zu, doch dieses Mal ist Camilla schneller. Bevor sie ihm ausweicht, stellt sie ihm ein Bein und legt die Hand auf seinen Hinterkopf, um ihn mit dem Gesicht gegen die Wand zu drücken. All das passiert so schnell, dass ich kaum reagieren kann. Wieder frage ich mich, wieso wir verkehrte Welt haben, aber wahrscheinlich würde Camilla mir die Eier abreißen, wenn ich mich jetzt einmische.
Tim fuchtelt mit den Armen, versucht, sich gegen ihren Griff zu wehren, der nun seinen Nacken festhält, während sie sich mit ihrem gesamten Gewicht gegen ihn presst.
„Du mieses Stück Scheiße!“, brüllt er, packt hinter sich und bekommt Camillas Haare zu fassen, zerrt sie um sich herum und wirft sie zu Boden. Das ist der Moment, in dem mir scheißegal ist, ob sie mich umbringt. Er wird ihr nichts tun.
Bevor er sich auf sie werfen kann, habe ich ihn gepackt und meine Faust landet krachend in seinem Gesicht. Tim keucht erschrocken, taumelt, will sich an mir festhalten, doch da landet meine Faust ein zweites Mal in seinem Gesicht. Wenn er gedacht hat, er würde hier unbehelligt rausgehen, hat er sich geschnitten.
„Du wirst sie nie wieder anfassen“, zische ich, hole schon wieder aus, doch eine kleine Hand hindert mich. Sanft legt sie sich über meine Finger, so dass ich den Kopf zur Seite drehe und in die beruhigenden Augen meiner Freundin blicke. In dieser Situation hätte ich ihr alles zugetraut, aber nicht diese Zuneigung und Dankbarkeit in den Augen.
Noch immer halte ich Tim am Kragen gepackt, doch er wehrt sich nicht mehr. Meine Faust tut scheiße weh. Selten habe ich so gerne Schmerz gespürt, wie jetzt.
„Lass ihn los, mein Held. Ich denke, er hat begriffen, dass er gegen dich nicht ankommt. Oder, Tim?“ Ihre Stimme hat einen harten Zug bei den beiden letzten Worten.
„Ihr kriegt mich nicht klein“, zischt dieser, und der Drang ihn windelweich zu prügeln nimmt überhand.
„Wir vielleicht nicht, aber die Polizei bestimmt“, erwidert Camilla lächelnd. In diesem Moment höre ich, wie es in den Wohnungen um uns herum klingelt, irgendjemand den Summer betätigt und schwere Schritte die Treppe hocheilen.
„Das hast du nicht getan!“, fährt Tim seine Stieftochter an, die lächelnd einen Schritt zurückmacht, mich mit sich zieht, so dass ich ihn loslassen muss und er zu Boden geht. Genau in dem Moment, in dem zwei bewaffnete Beamte um die Ecke des Treppenhaus stürmen, gefolgt von zwei weiteren Kollegen.
„Oh doch, das habe ich wohl getan. Und glaube mir, in Verbindung mit meinen alten Tagebüchern, den Bildern und Jos Aufnahme, wirst du eine hübsche Zelle beziehen.“
„Alles in Ordnung hier?“, fragt der Officer, als er uns erreicht, die Waffe auf Tim am Boden gerichtet.
„Ist es. Ich habe Sie wegen meinem Stiefvater angerufen. Meine Aussage habe ich drinnen schriftlich für Sie bereits festgehalten. Er hat mich tätlich angegriffen und mein Freund hat mich verteidigt, als ich am Boden lag.“
Ich höre, was Camilla sagt, verstehe auch, dass sie die Polizei gerufen haben muss, nachdem ich mich Tim angenommen aber mein Kopf ist nicht in der Lage es zu verarbeiten.
„Du hast mich reingelegt, du miese Schlampe. Hast mich hergelockt, um mich zu verführen und jetzt drehst du den Spieß um. Hören Sie nicht auf sie, Officer. Diese Frau ist eine notorische Lügnerin. Sehe ich aus, als hätte ich ihr etwas getan? Ich bin angegriffen worden – hinterrücks.“
Die Beamten zerren Tim unbeeindruckt auf die Beine, während er versucht, die beiden davon zu überzeugen, dass wir ihn verarscht hätte.
„Hier, Officer. Auf meinem Handy ist eine Aufnahme, wie er meiner Freundin gedroht hat. Sollen wir direkt mit auf die Wache kommen? Ich sage gerne aus“, schalte ich mich ein, reiche dem Polizisten neben mir das Handy und ziehe Camilla danach an meine Seite. Sie zittert, krallt sich in meine Jacke und beobachtet stumm, wie Tim aus der Haut fährt. Er beschimpft die vier Beamten, als sie ihm Handschellen anlegen, versucht sich zu wehren, tritt und schlägt um sich, wütet. Doch es bringt ihm nichts. Überhaupt nichts.
„Keine Ahnung, wie du das gemacht hast, aber ich bin sehr stolz auf dich“, sage ich nahe an ihrem Ohr, so, dass nur sie es hört. Ein Lächeln breitet sich auf ihren vollen Lippen aus. Eines, das meine Knie weich werden lässt.
„Ich liebe dich“, spricht sie dann genau das aus, was auch in mir vorgeht. Mein Herz setzt einen Moment aus, als mir bewusst wird, was sie da gerade gesagt hat. Erst dann ziehe ich sie fest an mich, senke meinen Kopf und lächele ebenfalls, als sich unsere Lippen berühren. Vergessen ist der Tumult um uns herum. Vergessen ist der Mann, der ihr gerade noch gedroht hat.

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